Sonntag, 18. November 2012

4 Wochen in Nepal

4 Wochen waren wir jetzt in Nepal und haben dennoch nur einen kleinen Teil des Landes gesehen. Das hat einerseits damit zu tun, dass wir mehr als die Hälfte der Zeit mit Wandern verbracht haben, zum anderen aber auch damit, dass es in Nepal gar nicht so einfach ist, von einem Ort zum anderen zu kommen.
Nepal hat ca. 30 Millionen Einwohner, davon leben 85% in Dörfern, viele davon total abgeschnitten von der Außenwelt. Die wichtigste Straße des Landes von Kathmandu nach Pokhara ist vergleichbar mit einer hessischen Landstraße, für die dringend wieder mal Mittel zur Ausbesserung bereitgestellt werden müssten. So braucht man für die 150 km, wenn es gut läuft, sieben Stunden, bei großem Verkehr kann aber auch mal eine Tagesreise daraus werden.

Die einzige nicht rechteckige Nationalflagge

Straße in Kathmandu
Nach der Ankunft in Kathmandu fuhren wir erstmal diese Strecke nach Pokhara, der Touristenmetropole Nepals. Schon auf dem Weg fällt auf, dass die Nepalis viel mehr Wert auf Ästhetik legen als die Inder. So werden die Gärten von Blumen geziert und die Häuser in hellen Farben angemalt, so dass manchmal nur der Esel gegen den Caddy ausgetauscht werden müsste, um das Miami-Gefühl komplett zu machen. Auch erscheint uns Nepal sehr sauber zu sein – leider ein klarer Fall von Kontrasteffekt zu dem noch schmutzigeren Indien. Als wir später aus den Bergen zurückkommen, empfinden wir es dann nämlich doch als unglaublich verdreckt.











Pokhara, die schnellstwachsende und mittlerweile schon drittgrößte Stadt Nepals, ist ein (noch) recht beschauliches Örtchen und für Outdoorfans ein Paradies. Sie ist nicht nur Startpunkt für viele Trekkingtouren, sondern bietet auch Kajak-, Rafting-, Canyoning- und Paragliding-Freunden unzählige Sportmöglichkeiten. Nachdem wir vom Trekking zurück in Pokhara waren, haben wir das mit dem Paragliding mal ausprobiert. Ein unbeschreibliches Gefühl, so sanft durch die Luft zu gleiten und den Ausblick auf die Reisterrassen, die Berge und den See zu genießen. Leider muss man immer wieder einige Spiralen fliegen, um Höhe zuzulegen – und wer schon beim Autofahren Probleme hat, dem ging es hier nicht besser.

















Von Pokhara sollte es dann Richtung Kathmandu zurückgehen. Wir legten aber noch zwei Zwischenstopps ein. Zunächst verbrachten wir einen Tag in Bantipur, einem Dorf 1000 Höhenmeter über dem Tal, das früher an der Handelsroute von Indien nach Tibet gelegen hat und durch den Straßenbau von Kathmandu nach Pokhara seine wirtschaftliche Bedeutung verlor. Da es aber deshalb lange von äußeren Einflüssen verschont wurde, wurde die traditionelle Newari-Kultur hier sehr gut konserviert und kann wie in einem Freilichtmuseum betrachtet werden. Damit das auch so bleibt, hat sich eine Initiative im Dorf gegründet, die für einen nachhaltigen Tourismus eintritt.









Abendlicher Stromausfall (Stromrationierung)
Morgennebel

Außerdem bietet sich in Bantipur ein unglaublicher Blick auf den Himalaya.













Am nächsten Tag stoppten wir in Bhaktapur. Bhaktapur ist die besterhaltene mittelalterliche Stadt Nepals, mit vielen Tempeln und Pagoden aus dem 14. Bis 17. Jahrhundert. Hier schlenderten wir stundenlang durch die Gassen, schauten den Menschen bei der Arbeit zu und bewunderten die Bildhauereien, Holzschnitzereien und Töpfereien.


















Besonders staunten wir über die unglaublich vielen Tempel und Schreine, die von den Hindus Tag für Tag abgeklappert werden, um dort Kerzen zu entzünden oder kleine Opfergaben abzulegen. Das sieht auf jeden Fall auch schwer nach Arbeit aus. Und wenn es auch nett anzusehen ist, stellt man sich schon manchmal die Frage, ob es sich dabei nicht einfach um rituelle Zwangshandlungen handelt. Oft haben wir uns gedacht, dass es viel sauberer sein könnte, wenn die Leute nur halb so viel Zeit auf Tempel abklappern legen würden, und stattdessen einfach mal ´ne Plastikflasche aufheben würden.




















Irgendjemand muss ja aufräumen...

Auch in Kathmandu ging es erstmal weiter mit Tempeln. Im Vorort Bodnath (auch Boudha genannt) blieben wir 2 Tage in unmittelbarer Nähe der riesigen Stupa (buddhistischer Tempel, der angeblich eine Reliquie von Buddha enthält und dem in Nepal Buddhas Augen aufgemalt werden). Hier hat sich seit dem Einmarsch der KP in Tibet ein Großteil der tibetischen Diaspora niedergelassen, dementsprechend tibetisch-buddhistisch geht es dort auch zu. Morgens wird man vom Mönschsgesang geweckt und den ganzen Tag hat man den Weihrauchgeruch in der Nase. Wir fühlten uns hier sehr wohl und konnten gut entspannen.



Der Stupa wird immer im Uhrzeigersinn umgangen.










Der nächste Tempel, den wir uns angeschaut haben, war ein hinduistischer – Pashupatihnat – der zu den heiligsten Hindutempeln überhaupt zählt. Während wir in Varanasi von den Feuerbestattungen noch einen Sicherheitsabstand eingehalten hatten, kamen wir, nachdem wir hier unbeabsichtigterweise einen Nebeneingang des Tempels genommen hatten, direkt am Burning Ghat raus, während gerade eine Leiche zur Verbrennung reingebracht wurde. Das Prozedere war hier nicht so geheimnisvoll wie in Varansi und mutete deshalb umso grotesker an. Während auf der einen Flussseite die Leiche aufgebahrt wurde, die Verwandten sich verabschieden und teilweise laut schluchzten oder schrien, saßen gegenüber andere Hindus und Touristen mit ihren Fotoapparaten.

Burning Ghat
Scheiterhaufen


Zuschauer

Sadhus



Für die letzten Tage zogen wir nochmal ins Touristenviertel Thamel um, um einige Mitbringsel zu erwerben und unsere Proviantvorräte wieder aufzufüllen. Hier trafen wir auch nochmal alte Wanderbekannte und hatten ein paar schöne Abende. Auch das nepalesische Essen konnten wir noch mal ausführlich genießen – leider erwischte es mich am letzten Abend dann das erste Mal so richtig, weshalb die Besichtigung der Altstadt von Kathmandu leider auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste.

Kathmandu:
Shopping,...




gutes Essen mit Wanderfreunden,...
unglaublicher Schmutz,...

Stromchaos,...
und noch mehr Tempel











Nepal Video:

Kommentare:

  1. Hallo ihr beiden aus dem herbstlichen Büdingen.
    Ich verfolge sooft ich kann Eure tollen Reiseberichte und schaue mir mit viel Freude die tollen Bilder an.
    In der Heimat hat sich nicht viel verändert. Es läuft hier alles rund :-)Aber eins darf ich nicht vergessen zu sagen (sonst sind so einige kleine Wesen böse auf mich *grins*): ich soll ganz ganz viele liebe Grüße von den Kids aus der Praxis an Anja ausrichten. Du wirst hier vermisst und noch Alles Gute nachträglich zum Geburtstag :-)
    Drück Dich ganz fest
    Silja

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  2. ich bin sooooo sehr beeindruckt: von den Strapazen, die ihr auf euch nehmt und dem Lohn, den ihr dafür erhaltet! :-) ich wünsche euch weiterhin ganz viele tolle Erlebnisse und Augenblicke! viele Grüße, Katha Lö

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  3. Also Daniel zwischen den zwei Sadhus!Einfach abgefahren!...
    Schön was ihr so schreibt und erst die tollen Fotos!Ich verfolge euren Blog regelmäßig und bin wirklich richtig neidisch, wenn ich hier im kalten, dunkeln November vor meinem Bildschirm sitze und eure Abenteuer lese!

    Viele wundervolle, fremdartige und geheimnisvolle Eindrücke wünsche ich euch noch!

    Alles Liebe Marlene

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  4. Ein schöner Bericht , macht sehnsucht nach wiederkehr.
    Namaste
    Doris

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